#48 I Szenografie mit Handschrift
Shownotes
Gibt es sie überhaupt, die typische „bellpratische Handschrift“?
In dieser Folge hakt Thorsten Schmidt (Concept Creative bei insglück) genauer nach. Arnau Bellprat, Creative Director bei Bellprat, liefert die Antwort und nimmt uns mit in den Prozess von der Konzeption bis in den Raum. Auch KI ist bei ihnen in der Agentur längst angekommen, doch das Plädoyer gilt weiterhin der analogen Magie. Denn die echten „Aha!“- und „Oha!“-Momente kreieren wir mit unvergesslichen Live-Erlebnissen. Wie genau das gelingt? Dafür hat Arnau den ein oder anderen Ansatz im Gepäck.
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00:00:00: Die Idee muss gut sein, das Konzept muss gut.
00:00:03: Die Präsentation muss gut und dann aber auch vor Ort beginnt man von Neuem.
00:00:19: Herzlich willkommen zu Work in Progress der Treibhaus-Podcast für Kreative im Raum!
00:00:24: Ich bin gerade noch in Basel.
00:00:26: Wir waren heute beim Primeo Energiekosmos.
00:00:30: Ich bin Thorsten Der Treibhäuser davon.
00:00:32: ins Glück in Köln.
00:00:34: Bei mir ist noch ein Gast, der uns heute als Dozent beirrt hat.
00:00:38: Vielleicht magst du dich selber einmal kurz vorstellen?
00:00:40: Ja hallo!
00:00:41: Ich bin da Arnau Belbrat.
00:00:43: Bin CD und Partner bei Belbrad Und seit gut fünfzehn Jahren in der Szenografie und mittlerweile kann ich mir kaum eine schöne Arbeit vorstellen Als die Szenographie.
00:00:55: Cool Du hast heute Morgen erzählt dass du nach einem ungewöhnlicheren Berufsweg bei Bel Brat gelandet bist eine Agentur, die gegründet wurde von deinem Onkel.
00:01:06: Was für mich sich da als Erstes gestellt hat war die Frage, hast du was von deinerem Onkel übernommen ohne es zu wollen?
00:01:14: und gibt's auch Dinge, die du bewusst anders machst?
00:01:17: Das ist ne gute Frage!
00:01:18: Ja natürlich zum ersten.
00:01:22: Als ich begonnen habe, Frau Seigtsinjane, wusste ich ja eigentlich noch gar nichts oder sehr wenig, vielleicht heute gar nicht... habe die Szenografie durch das Machen gelernt und wurde da selbstverständlich sehr geprägt, durch die Kreativleitung von Xavier aber auch von allen anderen mit denen ich zusammengearbeitet habe.
00:01:45: In diesem Beruf gibt es ja wirklich sehr unterschiedliche Tätigkeiten, die man meistern muss.
00:01:53: Da lernt man auch von ganz unterschiedlichen Leuten was... Also die Handschrift vom Büro, natürlich ist es eine Weihart geprägt durch oder war das geprägt durch Xavier aber eigentlich auch durch das ganze Team.
00:02:05: und so verändert sich eigentlich immer wieder unsere Arbeit.
00:02:10: Wir haben eine sehr flache Regie und diskutieren wirklich oft wohin wir wollen und wie wir entwerfen wollen und was wir toll finden.
00:02:20: und auch verändert sich die Welt Und die Anforderungen und die Kundschaft, es ist viel weniger an eine Person gebunden als man eigentlich denkt.
00:02:31: Du hast gerade selber kurz im Nebensatz das Wort Handschrift erwähnt.
00:02:35: was unser Treibhausleiterin Sabine auch aufgefallen ist, dass sie das Gefühl hat, dass ihr ne sehr klare Handschrift habt wenn bei euch in der Kreativabteilung ne neue Person anfängt?
00:02:47: Woran erkennt diese Person?
00:02:50: ob eine Idee ich sag mal belbratisch ist, wenn du nicht im Raum bist.
00:02:56: Ich hoffe dass das gar nichts mit mir zu tun hat also dass man das ganze Team eigentlich das versteht und da gibt es verschiedene Interpretationen.
00:03:07: einerseits ist es sicher sehr geprägt durch die Illustrationen die wir im Konzept haben.
00:03:13: Das ist schon sehr charakterlich durch SW geprägte.
00:03:18: Das hilft im ganzen Prozess oder hat bis jetzt den ganzen Prozèsor-Golf von etwas sehr schnell zu visualisieren, zu verstehen.
00:03:25: Und es hat auch eine gewisse Unschärfe die in dieser ersten Phase sehr hilfreich ist – auch in der Kundschaft weil man viel weniger bei Detail spricht und viel mehr über eine Atmosphäre.
00:03:38: aber genauso wichtig ist dann eigentlich die Kollerierung, die mittlerweile Hevelina macht Und es ist bei uns im Büro schon so, dass viele illustrieren können.
00:03:52: Aber gerade dieser Punkt ändert sich ja momentan rasant durch die ganze KI-Tools und wir nutzen auch diese sehr oft und effizient.
00:04:06: Das zweite von der Handschrift was wir als Büro eigentlich mehr antreiben ist dieses Erlebnisreiche – das ist schon etwas von uns!
00:04:16: Also nicht, dass wir hier das erfunden haben oder die Einzigen, die das sind.
00:04:20: Aber wir achten schon darauf, dass unsere Projekte besonders erlebnisreich sind.
00:04:26: Die müssen Spaß machen!
00:04:28: Ein Konzept muss Spaß machen.
00:04:30: Wir wollen, dass Besucherinnen und Besucher einen unvergessenen Tag haben – also diese geographischen Optiz von der wir heute Morgen gesprochen haben.
00:04:40: Das ist schon das ideale Ziel, das erreicht werden soll.
00:04:43: Und das steht viel mehr für unsere Handschrift.
00:04:48: Die kommen aus dem Gisney und glauben sehr an unterhaltende Szenografie.
00:04:56: Ich finde es mit der biographischen Notiz habe ich sofort aufgehorcht weil da so ein Thema ist was gerade auch irgendwie so auf... auf Social Media und in der Jugendsprache so als Core Memory eigentlich bezeichnet wird.
00:05:07: Du hast ja heute Morgen gesagt, dass man irgendwie einen Moment mitnimmt an den man sich idealerweise sein ganzes Leben erinnert.
00:05:14: Woran
00:05:15: machst du
00:05:16: fest so ein Moment gefunden zu haben?
00:05:18: Weil ich stelle mir das unglaublich schwierig vor
00:05:22: bzw.,
00:05:22: als die absolute Königsdisziplin halt mit dem Projekt, das einem aufm Tisch liegt, einen Moment zu schaffen an den derjenige, der sich das anguckt oder derjenigen, der mitmacht sein Leben lang erinnern kann?
00:05:36: Ja.
00:05:37: Das ist so.
00:05:37: Es ist unglaublich schwierig und das gelingt natürlich nicht immer.
00:05:40: Und wie erkennen man das?
00:05:42: aus Rückblickendauserfahrung... In Zeitsicht sind wir sehr einfache Erinnerungen.
00:05:47: um die kannst du ja selber auch abrufen und überprüfen.
00:05:51: mal an was du dich erinnerst.
00:05:53: Das können meistens.
00:05:55: sehr häufig ist es mit etwas Neuem dass man ein Besatz noch nie erlebt hat oder in dieser Art etwas Verblüffendes, etwas Überraschendes.
00:06:05: Etwas Magisches, etwas das man sich nicht erklären kann.
00:06:10: Ich glaube auch sehr jetzt immer mehr in diese Magie wie wir durch analoge Installationen eigentlich hinkriegen können die Uralt sind.
00:06:20: aber gerade durch diese Übersetzung vom Digitalen gibt es da wahnsinnige Verbüchfungen.
00:06:27: Und ich glaube, so kann man das auch verstehen, dass in die Richtung geht.
00:06:32: Dann hilft es auch... So doof ist es auch klingt, dass alle Sinne mitspielen.
00:06:37: Also das funktioniert auch und dass eben in der Dramaturgie einfach perfekt ins Zähne gesetzt wird, auch durch eine besonders dichte oder eindrückliche Atmosphäre.
00:06:51: Ja!
00:06:52: Nein, es ist schwierig.
00:06:55: Natürlich kriegen wir das nicht immer hin, aber oft gelingt es uns doch.
00:07:00: Und das ist wunderbar!
00:07:01: Das ist eigentlich unser höchstes Ziel, ja?
00:07:03: Daran bleiben wir fest – die Leute zum Träumen bringen wird das.
00:07:09: Spaß eben an dass es dann auch um die Verbindung zu den Leuten geht und du hast in der Vorbereitung auf dieses Gespräch gesagt, dass die Chemie zwischen euch und dem Kunden durchaus einen entscheidenden Faktor hat.
00:07:24: Mich würde interessieren, gab es mal ein Pitch wo du das Gefühl hast den hättet ihr womöglich fachlich verloren aber habt denn trotzdem gewonnen weil ihr menschlich quasi gut zusammengepasst habt?
00:07:37: Das gab's sicher schon.
00:07:40: Nicht bewusst aber... Aber das Ungekehrte weiß ich dass man das direkt gesagt hat.
00:07:47: Ja, dass man dachte also eigentlich war das die beste Idee aber ich glaube so mit euch nicht.
00:07:56: Es ist nicht so, dass wir das speziell darauf achten.
00:07:59: Aber bei einem Pitch muss man verstehen, spielt alles eine wirklich alles.
00:08:05: Wir hatten ja heute Morgen dieses Briefing.
00:08:07: Verstehen lesen Widerspiegeln Zwischen den Zeilen lesen Vermuten was sie eigentlich wollen.
00:08:15: Wer entscheidet an Pitch?
00:08:17: Aus wem besteht die Jury?
00:08:19: Da gibt es ganz unterschiedliche Punkte und Dynamiken.
00:08:24: Das muss einfach wirklich ausstehen, das Konzept muss gut sein die Präsentation muss gut zu sein und dann aber auch vor Ort beginnt man von Neuem.
00:08:37: Man baut zwar auf dem Auf, aber du startest wieder bei Null.
00:08:42: Du kannst ein gutes Konzept mit einer schlechten Präsension vernichten.
00:08:47: also es ist die Realität.
00:08:50: Wir arbeiten momentan daran, intern Strukturen alles zu bringen und sind uns bewusst geworden dass auch gerade in Präsentationen noch viel Luft nach oben ist.
00:09:01: Und beginnen jetzt auch also wirklich auch Sprech-Trainings mit Sprechtrainings und all... Ich würde jetzt das zu wenig auf dich erniehen zwischen den Menschen.
00:09:10: Schließlich sind wir ja alle professionell und trotzdem entscheidet niemand objektiv.
00:09:17: aber ich würden damit nicht soviel Gewicht geben dass die Chemie zwischen den Menschen aber das Auftreten oder das Gefühl, dass man vermittelt.
00:09:26: Na wobei doch es stimmt eigentlich wir haben auch schon ein schlechtes Konzept Aber ihnen eigentlich
00:09:31: das
00:09:31: Gefühl vermitteln, dass wir sehr kompetent sind und eigentlich mehr durch die Fragestellungen dann überzeugen konnten, dass Wir gerichtigen sind für diesen Auftrag.
00:09:42: ja Doch das gibt's auch.
00:09:44: Da sagt es eben, dass in so einer Pics-Situation Alles wichtig und alles entscheidend ist.
00:09:52: Oftmals ist es ja so, dass zumindest in meiner Wahrnehmung das bei Pitches am Ende einfach nur ein Papier mit Folien abgegeben wird.
00:10:01: Also wie fair findest du diesen Prozess wenn's halt zu viele andere Faktoren gibt die da noch reinspielen können den Kunden zu überzeugen?
00:10:10: Das ist keine Frage von Fairness.
00:10:12: Wenn man sich diese Frage stellt ist man im Prozess falsch glaube ich Und das Leben is nicht fair sowieso.
00:10:21: Ja, man muss sich das einfach bewusst sein und eben auch nicht vernachlässigen.
00:10:25: Und natürlich passiert uns das auch oft, dass wir uns reinstürzen und es ist ja auch ein Mannwort an uns dran zu denken – hey!
00:10:37: Wir haben jetzt wirklich wahnsinnig viele Stunden in diese Idee.
00:10:42: aber haben wir uns dann jetzt genügend um das andere gekümmert?
00:10:46: Weil die Kosten sind wichtig, die Präsentationen Und wenn du etwas vernachlässigst, bringst du alles andere in Gefahr.
00:10:54: Diese Balance muss ergerübt sein und da gibt es völlig abhängig mit wem du am Pitch zusammenarbeitest.
00:11:04: Dann aber auch auf die Kundschaft dann auch die Jurierung was du glaubst was ihnen wichtig ist.
00:11:09: also gehört am Anfang schon eine größere Analyse.
00:11:14: Manche Pitches werden gewonnen bevor man anfängt.
00:11:16: wirklich das gab's auch schon.
00:11:20: Ich finde es unglaublich spannend, das ist ein Teil, den ich sehr gerne mache.
00:11:27: Es ist aber wahnsinnig anstrengend und häufig arbeiten dann auch für nichts.
00:11:33: Das muss man sich auch gewusst sagen.
00:11:34: Wenn man sich die Frage der Ferne stellt, darf man nicht.
00:11:39: Ist es fair dass fünf Agenturen oder bis zu zehn an einen Pitch arbeiten?
00:11:46: Nein, natürlich nicht.
00:11:47: Also da werden wir unglaublich viele Agenturstunden verwarten, daher nicht mit Fairness zu tun.
00:11:53: Es
00:11:55: rührt vielleicht auch daher dass ja Kunden immer mehr in so einem Co-creation Prozess mitgestalten wollen und nicht nur Briefen.
00:12:04: gibt es einen Punkt wo du sagst also wo du klar für dich oder für euch eine Grenze ziehst und das ist unsere Entscheidung und ich eure?
00:12:12: Haben wir so noch nicht besprochen und ich bin mir auch nicht sicher ob das der richtige Weg ist.
00:12:17: Wir sehen das, dass immer mehr Co-Kreation dabei ist.
00:12:21: Das ist dann okay.
00:12:24: Wir diskutieren wie wir damit umgehen und halten zum Teil auch Pitches die Großteil der Arbeit schon gemacht sind oder hören immer wieder, dass man gewisse Sachen weg.
00:12:34: Es ist für uns ein Lernprozess.
00:12:36: Das wird sich verändern, das wird auch immer mehr kommen... Ich halte es nicht unbedingt für die beste Entwicklung Aber das tut es nicht zur Sache, das spielt überhaupt keine Rolle.
00:12:48: Schliessendlich sind wir Dienstleister!
00:12:50: Wir sind keine Künstlerinnen, die sich verwirklichen wollen... ...aber ja, dass ist schon eine Frage, die den ganzen Prozess noch komplizierter macht verändert und wir auch jetzt lernen müssen wie man das am besten angeht weil man hat schon ganz unterschiedliche Rückmeldungen dazu bekommen.
00:13:12: Grundsätzlich finde ich es aber sehr spannend, wenn man einen ersten Teil des Prozesses gerade bei der Idee-Entwicklungkonzept, glaube ich dass das ein Aufmachen sehr hilft.
00:13:23: Dass ein Konzept wirklich dadurch bereichert wird.
00:13:27: Ich bin aber der festen Überzeugung, dass das Konzept irgendwann auch besser wird und dann wieder etwas geschlossen wird und mehr in eine Vision.
00:13:38: Es muss nicht deine Pass vor uns sein.
00:13:40: Das kann auch eine kleine Gruppe sein, die sich versteht und die gleiche Vision hat oder eine ähnliche Vision geht.
00:13:48: Aber ich glaube schon, ein Konzept kann nicht wirklich ultra-scharf werden wenn ständig unzählige Menschen daran mitarbeiten, mitbestimmen.
00:14:00: Davon bin ich überzeugt.
00:14:02: Und so Zeit näher sich langsam dem Ende?
00:14:05: Und wir haben eine Frage, die wir jedem Gast im Podcast stellen.
00:14:08: Deswegen möchte ich dir auch gerne stellen und zwar woran erkennst du das eine Idee gut ist?
00:14:15: Das ist auch ne gute Frage!
00:14:17: Meistens daran dass die Arbeit danach so überhaupt nicht schwer fällt.
00:14:23: alles lässt sich dann ableiten vom weitere Schritte Umsetzung.
00:14:29: Ich kann die Idee auch jemanden erzählen in idealer Weise in einem Satz Und alles macht dann auch Sinn und es wird viel weniger hinterfragt.
00:14:39: Wenn man, das passiert ja auch nicht immer oder am Anfang sehr spät im Prozess, aber wenn man die Idee hat, dann funktioniert's.
00:14:51: Da sollten danach nicht wirklich viele Fragen kommen.
00:14:54: Wenn es die gibt, stimmt die Idee vielleicht nicht?
00:14:57: Oder ist es keine Idee?
00:14:59: Manchmal ist es einfach ein Thema und man hat das Gefühl, dass es eine Idee ist!
00:15:04: Aber ja, also dazu könnte man nochmals zwanzig Minuten filmen.
00:15:09: Cool!
00:15:09: Dann danke ich dir, dass du dir die Zeit genommen hast nach dem Tag noch mit uns oder mit mir in diesem Fall heute zu sprechen.
00:15:15: Danke für die Insights, für deinen Input heute und fürs Gespräch mit dir.
00:15:21: Sehr gerne, danke euch und danke dir.
00:15:23: Und dann hören wir uns – mit jemand anderem vom Treibhaus beim nächsten Podcast wieder.
00:15:27: Auf Wiedersehen.
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